Verlorenes Modell

In den letzten Wochen habe ich eine Reise in die Vergangenheit unternommen, oder besser gesagt, ich habe alte Fähigkeiten in mir wiederbelebt. In meiner ersten Ausbildung lernte ich den Beruf des Zahntechnikers . Wie ich heute immer wieder feststelle, erfährt man dabei viele Dinge die man im Leben immer wieder brauchen kann. Man erlernt den Umgang mit Werkstoffen wie Metalle, Kunststoffe, Keramiken, Gips und Wachs, bekommt Biologie- und Anatomiegrundkenntnisse und wird in der Feinmotorik, Ästhetik und Beobachtung geschult. Rückblickend drei Jahre meines Lebens die sich vollkommen rentiert haben. Egal ob ich heute an feinen Schräubchen eines Brillengestells herumschraube, SMD-Bauteile löte oder Löcher mit Gips verputze, ich zehre von diesem Wissen.

Einige Ideen für neue Arbeiten gingen mir die letzten Monate durch den Kopf und ich stellte fest, dass es für die Umsetzung wohl nötig werden würde Metall zu gießen. Das hatte ich zuletzt als Zahntechniker gemacht. Die ersten Experimente mit Formsand und Zinn verliefen vielversprechend. Dabei hatte ich eine geschnitzte Holzfigur mit Formsand abgeformt und danach mit Zinn ausgegossen. Das Ergebnis ist die Arbeit Ahornfee.

Verlorenes Modell

In Formsand kann man allerdings keine Objekte gießen die Hinterschneidungen haben, sprich bei denen sich das Modell nicht aus der Abformmasse lösen lässt, ohne die Form zu zerstören. Dafür muss man andere Wege wählen. Und so kommt es dass ich im Moment wieder an verlorenen Modellen aus Wachs arbeite.

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Verlorenes Modell heißt diese Arbeitsweise, weil dabei das originale Wachsmodell verloren geht. Es wird beim Prozess zerstört. Das Wachsmodell wird in eine Art Gips eingegossen und nach dem Erhärten des Gipses ausgebrannt. Schließlich wird die dadurch entstandene Hohlform mit flüssigem Metall ausgegossen. Danach nur noch die Gipsmasse vorsichtig entfernen und man hat das Modell in Metall. Eine uralte und einfache Technik.

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Also modelliere ich jetzt wieder Wachs und gieße Metall, ganz so wie früher. Ein sehr reizvoller Prozess bei dem viel schief gehen kann, aber wenn es klappt ist es um so schöner. Als erstes Ergebnis präsentiere ich dementsprechend stolz meine neueste Arbeit „Der Trauernde“. Aber dazu später in ein einem eigenem Beitrag mehr…